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Forschungsförderung

Die koordinierte, externe Forschungsförderung des SCAHT hat zum Ziel, angewandte toxikologische Forschung in der Schweiz zu unterstützen, die derzeit nicht durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert wird. Es trägt dazu bei, bestehende Lücken in der toxikologischen Forschung zu schliessen, wobei der Schwerpunkt auf bedeutenden und regulatorisch relevanten Fragestellungen im Bereich der menschlichen Gesundheit liegt.

Im Rahmen dieses Forschungsprogramms hat die SCAHT zudem ein Schweizer Netzwerk für regulatorische Toxikologieforschung aufgebaut, das die Nachhaltigkeit in diesem für die Gesundheit von Mensch und Umwelt besonders wichtigen Bereich stärkt. Das Netzwerk stützt sich auf die Mitglieder der SCAHT an den Schweizer Hochschulen: die Universitäten Basel, Genf und Lausanne sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz.

Das externe Forschungsprogramm der SCAHT wird – abhängig von den Fördermitteln, die das SBFI der SCAHT für die jeweilige Förderperiode zur Verfügung stellt – alle vier Jahre neu ausgeschrieben. Die Themen orientieren sich an aktuellen regulatorischen Anforderungen in diesem Bereich. Die Ausschreibung wird innerhalb des SCAHT-Netzwerks bekannt gegeben und muss gemeinsam von der SCAHT und externen Partnern beantwortet werden, um das Netzwerk kontinuierlich weiter auszubauen.

SCAHT-Forschungskoordinatorin: Dr. Stéphanie Boudon

Kernprojekte

Projektleitung: Alex Odermatt – Universität Basel

Arbeitspaket-Leitung:

AP1: Markus Lill (Universität Basel)
AP2: Alex Odermatt (Universität Basel)
AP3: Jamal Boutibir (Universität Basel)
AP4: Claudia Cavelti-Weder (Universitätsspital Zürich, Universität Zürich)
AP5: Isabel Meister, Serge Rudaz, Julien Boccard (Universität Genf)

Steroidhormone regulieren zentrale Körperfunktionen wie Fortpflanzung, Stoffwechsel, Flüssigkeitshaushalt und Immunfunktionen. Chemikalien, die Steroidrezeptoren oder die Synthese beziehungsweise den Metabolismus von Hormonen stören, werden mit Erkrankungen wie Krebs, Stoffwechsel- und Immunerkrankungen, neurologischen Störungen sowie Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht. Während sich ein Grossteil der Forschung zu endokrin wirksamen Chemikalien (EDCs) bislang auf Östrogene, Androgene und Schilddrüsenhormone konzentriert hat, erhielten Substanzen, die die Kortikosteroid-Homöostase beeinflussen, trotz ihrer zentralen Bedeutung für kardiometabolische und immunologische Funktionen bislang weniger Aufmerksamkeit. Gleiches gilt für Stoffe, die die Steroidproduktion in Nebennieren und Gonaden stören, obwohl diese für Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen von hoher Relevanz sind. Dieses Kernprojekt erweitert die bisherige Forschung des SCAHT durch die Identifizierung und Charakterisierung von Substanzen, die die Steroidhormon-Homöostase stören. Ziel ist es, deren Mechanismen und Auswirkungen auf Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck, Entzündungen, Entwicklung und reproduktive Gesundheit besser zu verstehen.

Projektleitung: Myriam Borgatta – Unisanté (Universität Lausanne)

Arbeitspaket-Leitung:

AP1: Myriam Borgatta (Unisanté, Universität Lausanne)
AP2: Aurélie Berthet (Unisanté, Universität Lausanne)
AP3: Serge Nef, Rita Rahban (Universität Genf, Geneva University Hospitals)
AP4: Fanny Zufferey (Hôpital du Valais - Institut Central des Hôpitaux)
AP5: Isabel Meister, Julien Boccard, Serge Rudaz (Universität Genf)
AP6: Barbara Rothen-Rutishauser (Adolphe Merkle Institute, Universität Fribourg), Florian Breider (EPFL)

Das übergeordnete Ziel dieses Projekts besteht darin, die Inhalationsexposition als zentrale Strategie zu nutzen, um die Toxikokinetik beim Menschen für zwei wichtige Klassen luftgetragener Chemikalien zu charakterisieren: Kunststoffadditive und Phytocannabinoide. CP2 umfasst kontrollierte Expositionsstudien mit gesunden Probandinnen und Probanden und zielt darauf ab, innere Dosen zu bestimmen, die potenziell biologische Wirkungen auslösen können. Ergänzend sind Labor- und In-vitro-Experimente vorgesehen, um biologische Reaktionen und mögliche toxische Effekte zu untersuchen, welche die Lungen- und Fortpflanzungsfunktionen beeinträchtigen könnten. Durch die Kombination von Expositionsstudien am Menschen mit fortschrittlichen Analysemethoden sowie die Unterstützung der In-vitro-Untersuchungen durch Daten zu den internen Dosen der getesteten Chemikalien beim Menschen wird das Projekt neue und relevante toxikologische Erkenntnisse, einschliesslich möglicher Wirkmechanismen, generieren. iese Erkenntnisse sind für das SCAHT sowie für Regulierungsbehörden von hoher Bedeutung, da sich aktuelle chemische Risikobewertungen weitgehend auf Tier- oder In-vitro-Studien stützen, die unter kurzfristigen und hochdosierten – meist oralen – Expositionsbedingungen durchgeführt werden. Darüber hinaus wird CP2 den Beitrag der Schweiz zu internationalen Initiativen wie dem Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD)-Programm zu Adverse Outcome Pathways (AOPs) stärken.

Projektleitung: Marie-Gabrielle Zurich (Uni Lausanne) & Laura Suter-Dick (FHNW)

Arbeitspaket-Leitung:

AP1: Marie-Gabrielle Zurich (Universität Lausanne), Laura Suter-Dick (FHNW)
AP2: Marie-Gabrielle Zurich (Universität Lausanne), Laura Suter-Dick (FHNW)
AP3: Laura Suter-Dick (FHNW), Marie-Gabrielle Zurich (Universität Lausanne)
AP4: Serge Rudaz (Universität Genf), Shana Sturla (ETH Zürich)

Das übergeordnete Ziel dieses Projekts besteht darin, eine zentrale Lücke der DNT-IVB zu schliessen: das Fehlen von Mikroglia. Trotz der anerkannten Bedeutung von Mikroglia für die neurologische Entwicklung und Neuroinflammation fehlen bislang spezifische Testmethoden zur Ergänzung der bestehenden Testbatterie. Darüber hinaus zeigen aktuelle Studien, dass Umweltchemikalien direkte Auswirkungen auf Mikroglia haben können. Chemikalien können sowohl die Funktionen von Mikroglia als auch deren Interaktionen mit anderen Zelltypen beeinflussen, was langfristige Folgen für das sich entwickelnde Gehirn und potenziell neurologische Entwicklungsstörungen zur Folge haben kann. Daher ist es essenziell, Mikroglia bei der Bewertung der Entwicklungsneurotoxizität von Chemikalien zu berücksichtigen. Um diese Fragestellung zu adressieren, wird die Entwicklung und Optimierung von Assays vorgeschlagen, mit denen die Lebensfähigkeit und Funktion von Mikroglia nach chemischer Exposition beurteilt werden können. Das Projekt zielt darauf ab, Fragestellungen von besonderer regulatorischer Relevanz zu beantworten, und steht damit in enger Übereinstimmung mit dem Förderprogramm des SCAHT.